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In der Philosophie, heißt es, sind die Fragen wichtiger als die Antworten. Deshalb hat sie auch noch immer viel zu bieten für die Kritiker, die Zweifler und Grübler unter uns. Im Philosophieunterricht geben wir uns nicht zufrieden mit unerschütterlichen Selbstverständlichkeiten, sondern wollen unser Verständnis der Welt und unserer selbst überprüfen und vertiefen.

Zwar geht das Philosophieren aus den Vorstellungen und Meinungen, die sich jeder tagtäglich von uns macht und die unserem Denken und Handeln zugrunde liegen, hervor, aber es stellt diese Vorstellungen zugleich in Frage.

Jeder kann beispielsweise die Auffassung vertreten, dass er für oder gegen diese oder jene Form der Gewalt ist. Im Philosophieunterricht dagegen fragen wir, woher die Gewalt kommt und ob sie sich jemals überwinden lassen wird. Dabei bemühen wir uns um Klärung von Begriffen, auf die sich unsere Argumentationen stützen, z.B.: „Was heißt gut?“, „Gibt es das Böse?“ oder „Was ist der Mensch?“. Wir nehmen verschiedene Positionen ein, betrachten die Sachverhalte aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Der Philosophieunterricht eröffnet auch einen Zugang zur Tradition philosophischen Denkens und damit zu einer Reihe unterschiedlicher und oft kontroverser Problemzugänge und Denkmodelle. Die Interpretation philosophischer Texte bietet eine Fülle von Inspirationen und stiftet zu selbstständigem Denken an. Dabei lässt sich das Denkvermögen schärfen und die Fähigkeit zur begründeten Urteilsfindung ausbilden. Im Philosophieunterricht kann man lernen, differenziert zu sagen, was man denkt, und fundiert zu denken, was man sagt.

Unsere Schule bietet das Fach Philosophie als Grundkurs ab Klasse 11 an und kann somit als 3., 4. oder 5. Prüfungsfach gewählt werden. Es ist dem gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld zugeordnet, obwohl Philosophie eine Geisteswissenschaft ist. Philosophie soll und kann die Pflichtkurse in Politikwissenschaft, Geografie, Geschichte oder Sozialwissenschaften natürlich nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.

Die Unterrichtsplanung geht von der Mitverantwortung und –gestaltung der Lernenden aus und betrachtet das Lernen als individuellen Prozess. Im Vordergrund stehen dabei die Methoden der Projektarbeit, das textgebundene Arbeiten in der Einzel-, Gruppen- oder Stationsarbeit oder Innen-Außenkreis- (= Kugellager-)Methodik, die Vernetzung und Visualisierung durch Mindmapping, die Pro-Contra- oder freie Erörterung im Diskurs oder das schriftliche Essay. Der Philosophieunterricht soll die Bereitschaft und Fähigkeit der SchülerInnen wecken und fördern, sich mit anderen Menschen zu verständigen, zusammenzuarbeiten und sich mit Werten und Wertsystemen auseinanderzusetzen, diese zu reflektieren, zu evaluieren und dabei Phantasie und Kreativität zu entwickeln.

Der thematische Bereich umfasst die Praktische Philosophie und ist in zwei Kurshalbjahre zu je zwei alternativen Kursthemen gegliedert. Das erste Semester untersucht ethische Fragen des menschlichen Handelns sowie der menschlichen Freiheit und Verantwortung. Die Themen des Guten, des Bösen und des Glücks werden dann im zweiten Semester anthropologisch behandelt und die Frage: „Wozu braucht man einen Staat?“ problemhaft reflektiert. Das dritte Semester behandelt die verschiedenen Erkenntnis- und Wahrheitstheorien in Auseinandersetzung mit den Geltungsansprüchen von Wahrheit und Gewissheit. Im vierten Semester kommt es dann zur Reflexion metaphysischer, religiöser und utopischer Entwürfe der Sinnfragen, z.B. „Gibt es einen letzten Sinn, warum existiert die Welt?“.

Im Überblick sind folgende Themenbereiche vorgegeben:

- phil-1: Werte und Normen

- phil-2: Mensch und Gesellschaft

- phil-3: Erkenntnislehre, Wissenschaftstheorie, Logik

- phil-4: Sein und Werden

In jedem Semester werden verbindliche Reflexionsbereiche betrachtet, die aber individuelle Intentionen der jeweiligen Gruppe zulassen.

Im Folgenden noch einige Beispielthemen aus dem Unterricht:

- Aussagen von Plato, Freud, Kant, Marx etc. werden analysiert

- Abstammung des Menschen und seine Stellung im Kosmos (Darwin, Scheler, …)

- Glück als höchstes Gut (Aristoteles, Epikur, Thomas von Aquin, …)

- Mensch und Gemeinschaft nach Aristoteles, Platon, Hobbes, Locke, Rousseau, Kant

- Verhältnis von Politik und Moral (Machiavelli)

- Gesellschaftstheorien seit Marx, Rawls, Weber, …

- Empirismus – Rationalismus – Kritizismus, die Bedeutung von Sinnlichkeit und Vernunft für den erkenntnistheoretischen und sprachlichen Zugang der Welt, Descartes, Locke, Hume, Kant, Popper, …

- Mythos und Logos am Beispiel, Anfang und Ende des Universums, Freiheit und Determination des menschlichen Handelns, Gott als Erfahrung

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